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Das Phänomen

Jeder bildende Künstler, Musiker, Balettänzer oder Sportler kennt dieses Phänomen: Die Bewegung entsteht mühelos, ganz natürlich, wir sind im Flow. Entsprechend ist das Resultat. Eine lange angestrebte Bewegung, Linie, ein Musikstück gelingt plötzlich wie von selbst.

Seit einigen Jahren taucht in diesem Zusammenhang der Begriff „Faszie” auf, etwa in Studien über der Körperbewegung. Ärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen befassen sich mit diesem hauchdünnen Gewebe, das unser Körper durchdringt und jedes Organ schützend umhüllt. Es gibt Hinweise, dass die Faszien nicht nur schützende Funktion haben, sondern auch die Möglichkeit besitzen, Informationen zu speichern und auszutauschen.

Dr. Robert Schleip, Universität Ulm, erwähnt die Bedeutung der Faszien bei räumlicher Orientierung, allgemeinem Wohlgefühl und Körperbewegungen. Einige Wissenschaftler behaupten sogar, den Sitz des Unbewussten oder des Unterbewusstens in den Faszien gefunden zu haben (Bindegewebe als energetisches und Informations-Kontinuum, James L. Oschman, Ph.D. Dieser Theorie nach, befindet sich in einem lebendigen Organismus ein Signalsystem, das mit dem bekannten und mittlerweile gut erforschten neuralen System nichts zu tun hat.

Erfahrungen mit Faszie im künstlerischen Bereich

Vor einigen Jahren stieß Olga Poljakowa beim Zeichnen scheinbar durch Zufall auf andere Art der Bewegung. Sie setzte an, und auf dem Blatt war ein Muster zu sehen, außergewöhnlich fein und filigran. Man konnte kaum glauben, dass das Muster ohne jeglicher Schablone oder Zirkel gezeichnet worden sein soll. Normalerweise führt eine intensive malerisch-zeichnerische Tätigkeit zu hoher Beanspruchung des Gewebes und somit zu Kopf- und Muskelschmerzen. Hier entstanden die Schmerzen nicht, es wurden sogar vorhandene Verkrampfungen gelindert.

Michael Schönauer – Physiotherapeut und Cranio Sacral Therapeut – hat Olga Poljakowa die Bedeutung von Faszie bei den Bewegungsabläufen wärend der Therapie erklärt. Er äußerte die Vermutung, dass es bei ihren Zeichnungen um die faszial gesteuerte Bewegung handelt. Ph.D. J. L. Oschman hat diese These bestätigt und hat sogar empholen, die Erfahrungen im Unterricht weiterzugeben.

Es gibt sicher einige Künstler, die den „faszialen” Weg genau so zufällig gefunden haben. Tänzer, Musiker, Maler arbeiten damit, ohne es zu wissen. Es gibt aber noch mehr Künstler, Sportler und auch andere Bevölkerungsgruppen, die von diesem Weg profitieren könnten. Diese Methoden, ausgearbeitet und als Lehrstoff dargestellt, sind übertragbar und erlernbar.

Ein anderer Aspekt ist Kreativitätsforschung. Jeder Künstler kennt das Problem der Übertragung von der „Wunschbewegung”, der „Wunschlinie” in die Realität. Man sieht das wunderbare Bild mit dem inneren Auge, aber die steife Materie in Form des eigenen Körper steht im Wege. Wenn uns die Faszie eine sicherere Linienführung, eine schönere Tanzbewegung, eine erhöhte Sprungkraft anbietet, werden auch die Zuschauer sich daran erfreuen.